Amok?

Schon wieder? Da hat unsere Polizei ja wirklich gute Arbeit geleistet und wieder einmal zwei hochgefährliche Terroristen, ääh Amokläufer an ihrer Tat gehindert. Einer hat keinen Ausweg mehr gesehen und sich vor eine Straßenbahn geschmissen, kam dabei praktischerweise um. Die Waffen zum geplanten Amoklauf wurden auch gleich präsentiert. Eine Armbrust und zwei Softair Waffen.   

Nun, eine Armbrust ist natürlich nicht ungefährlich. Die Handhabung aber wohl eher umständlich. Damit Amok zu laufen dürfte wohl eine Art Hindernislauf werden, bis der Täter gelyncht wird weil er nicht schnell genug nachladen kann. Was die Softair Waffen angeht so eignen sie sich doch hervorragend für einen Lauf dieser Art, - in einem Ameisenhaufen, wenn man denn gut Zielen kann. 

 Also mir kommt diese Geschichte doch mehr als Spanisch vor, ebenso der Ablauf. Natürlich haben die Medien den Fall wieder extremst aufgebauscht. Sicher ist es gut das niemand zu schaden gekommen ist. Aber ich kratze mich am Kopf und frage mich schon so einiges, das mir daran recht merkwürdig vorkommt.  Das Ziel ist jedenfalls erreicht. Klar zu machen das wir in einem Land Leben in dem Amok jederzeit machbar und möglich ist. Das wir davor meeeehr Schutz in form strafferer Gesetze brauchen ist doch eigentlich ganz klar, oder?  Wer würde daran schon Zweifeln :-) Es bleibt schwierig.    

 

13 Reaktionen zu “Amok?”

  1. Flusskiesel

    Armbrüste sind sehr gefährliche Waffen. Man hat die schon mal im Krieg verwendet. Ich weiss ja jetzt nicht, was für eine Armbrust die Burschen hatten, aber mit etwas Übung kann man durchaus relativ schnell nachladen - und glaubst Du, die Lehrer und Schüler stürzen sich dann todesmutig auf die Amokläufer? Zumal die ja zu zweit gewesen wären.
    Also, in der Panik, die ein solcher Angriff in einer Schule auslösen würde … Armbrustbolzen verursachen fürchterliche Verletzungen. Gut, dass alle rechtzeitig reagiert haben. Schade, dass die Polizei zu langsam war.

  2. ludger.otten

    Hi Flusskiesel,

    Natürlich sind das gefährliche Waffen. Steht außer Frage. In geübten Händen. Die Armbrust die da präsentiert wurde ist eine 0815 Waffe.
    Ich denke das da ein Messer oder Machete schon eine effektivere Waffe ist. Nicht das ich mir das wünschen würde. Das was du da Armbrustbolzen nennst sind Pfeile die mit Bogenpfeilen vergleichbar sind. Du hast mit einem Bogen eine durchaus höhere Schußfrequenz als mit einer Armbrust.

    Ich bin froh das da niemand verletzt wurde. Nicht das wir uns da mißverstehen. Aber eine “wirkliche” Leistung der Polizei war das meines Erachtens nicht.
    Da bringen, Drogendealer, Rechtsradikale schon mit Schlägereien mehr Menschen zu Tode. Im übrigen stehen diese Straftaten eher selten in den Medien, bzw. werden kaum wahrgenommen.

    Der geplante Amoklauf war da schon Medien und aus politischer Sicht sehr viel besser verwertbar. Ist aber nur meine Meinung dazu.

  3. Flusskiesel

    Ja, da stimme ich Dir durchaus zu.
    Allerdings hat ein Amoklauf da schon ein anderes Kaliber, als “normale” Kriminalität. Der Amokläufer will ja möglichst viele Menschen mit in den Tod nehmen.

    Hast Du Informationen darüber, um was für eine Armbrust es sich da gehandelt hat?

    Lt. SpOn hat es sich um zwei solcher Waffen gehandelt:
    http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,518089,00.html

    Naja, damit kann man sicher Menschen verletzen, wenn man es drauf anlegt.

    Ich meine mich zu erinnern, dass mal im Gespräch war, Armbrüste ab einer bestimmten Stärke in Deutschland zu verbieten (oder nur auf Waffenschein …). Es sind nämlich welche aufgetaucht, die man in Südafrika zur Großwildjagd (!) einsetzt. Mit Zielfernrohr, Spannvorrichtung und böse aussehenden Bolzen.
    Man war etwas überrascht, dass diese Bolzen die Schutzwesten der Polizei problemlos durchschlagen konnten, da diese (was Kraft, Schwerpunkt usw. angeht) nur gegen die Munition von Feuerwaffen wirkt.

  4. ludger.otten

    Nein hab ich nicht, aber die Waffe díe sie da präsentiert haben sah mir nicht bedonders bedrohlich aus.
    Es gibt Armbrüste die eine äußerst fiese durchschlagskarft haben. Ich habe vor Jahren mal mit so einem Ding geschossen. Aber selbst die Profi Geräte sind nicht zum “schnellen” gebrauch geeignet. Das spannen braucht seine Zeit und wenn keine Übersetzung da ist auch ziemliche Kraft.
    Auch das Zielen ist nicht einfach, da die Waffe ein ziemliches Gewicht hat. Ein Kompositbogen/Reflexbogen hat eine ähnliche bis bessere Wirkung.
    Noch gefährlicher sind Schleudern, mit Kugellägerkugel erreichen die Dinger eine enorme Durchschlagskraft.

    Naja durch Verbote erreicht man nichts. Es geht darum klar zu machen was Waffen anrichten können und welches Leid sie verursachen.

    Was den Amoklauf an sich angeht hast du natürlich recht. Aber was streibt einen Menschen soweit? Wieviel Menschenverachtung ist dazu nötig. Ich finde das sollten wir uns auch mal fragen.

  5. Flusskiesel

    1. Zu den Waffen:
    Im Allgemeinen sind Bögen schwerer zu Bedienen als Armbrüste, da man doch eine ganze Menge Kraft braucht, um so einen Bogen zu ziehen.
    Bögen waren nicht umsonst typische Söldnerwaffen - Waffen für “Berufssoldaten”.
    Die Armbrust war die typische Waffe für Seeleute und das gehobene Bürgertum. Für diejenigen, die sich eine solch teure Waffe leisten konnten, aber nicht viel Zeit zum Üben hatten.
    Was die Feuerkraft angeht, sind Armbrüste (mit einer entsprechenden Spannvorrichtung - selbst wenn es nur der alte “Steigbügel” ist) im Allgemeinen dem Bogen überlegen.
    Zum Mythos Bogen hier ein netter Artikel:
    http://www.kriegsreisende.de/renaissance/bogen.htm

    2. Zur Motivation:
    Erscheint mir bei allen Schul-Amokläufen die selbe: Gesellschaftliche Kälte, Mobbing. Die Aussenseiter werden nicht integriert (oder wenigstens in Ruhe gelassen), sondern gedemütigt. Denn in unserer Gesellschaft wird nur der “etwas”, der nach oben buckelt und nach unten tritt.

  6. Flusskiesel

    Nachtrag zur Motivation:
    Übrigens machen sich die Amokläufer traurigerweise genau diese Sichtweise zueigen, wenn sie es “allen noch mal zeigen wollen” und “wenigestens ganz groß abtreten” wollen.

  7. ludger.otten

    “Denn in unserer Gesellschaft wird nur der “etwas”, der nach oben buckelt und nach unten tritt. ”

    Und was sagt uns das?

    Was Bogen und Armbrust angeht, so geht es mir weniger um Millitärische Wirkungsweise. Das da die Armbrust (mit dem eben typichen Bolzen) dem Bogen überlegen ist ist mir schon klar.

    Es ist ohenhin ein akademisches streiten. Ich persönlich (und das ist nur meine Meinung) finde einen Bogen Praktikabler und würde ihn sollte ich jemals in eine Situation die den Gebrauch nötig macht kommen der Armbrust vorziehen. Mag daran liegen das ich ganz gut mit sonem Ding umgehen kann (Naturtalent :-) )

    Was bei allen Waffen ob nun Bogen, Armbrust, Messer, oder Schusswaffen nötig ist, ist übung. Ein ungeübter Schütze trifft auch eher selten. Es ist schon schwer mit einer Handfeuerwaffe auf eine Distanz von Zehn Metern etwas in der größe eines Menschen zu treffen. Bei Armbrut und Bogen ist es ohne Training purer zufall wenn mal trifft.

  8. Flusskiesel

    Und was sagt uns das?

    Na, dass sich diese Gesellschaft ihre Amokläufer selber macht.

    Die Generation der beiden “Amokläufer” sind im Geist des Wettbewerbs, der Effizienz aufgewachsen. Da tritt man nicht einfach so ab. Da muss man eben effizient aus dem Leben scheiden und noch möglichst viel Publicity abkriegen (am besten mehr als die anderen Amokläufer - Leistung soll sich ja schließlich lohnen!).

    Disclaimer:
    In diesem Kommentar finden sich kein Zynismus. Nur Sarkasmus und Bitterkeit.

  9. ludger.otten

    Dem kann ich nur vorbehaltlos zustimmen. Aber was tust du selbst? Sarkasmus ist keine Lösung, Bitterkeit auch nicht.
    Die Frage ist doch, wie wir uns selbst bemühen. Was setzen wir für Ziele in unserem Leben, ist uns selbst Effizienz immer vorn, immer Leistung wichtig oder zu wichtig.

    Seit meiner Erkrankung sind solche Fragen für mich persönlich wichtig geworden. Es gibt mehr, als immer korrekt zu funktionieren in einer Gesellschaft die genau dies noch nicht einmal zu schätzen weiß.

    Ich bin froh ein kreativer mitfühlender Mensch zu sein. Und ich meine auch öfter einen Blick über den Tellerrand zu werfen, auch wenn das nicht immer einfach ist.

    Das sollten wir alle tun, finde ich.

  10. Flusskiesel

    Sarkasmus ist keine Lösung - es ist ja nicht mal eine Geisteshaltung (das wäre Zynismus).

    Aber junge Menschen (gerade Jugendliche, die sich erst noch orientieren müssen) haben oft nicht die Kraft, gegen den Strom zu Schwimmen oder - manchmal sogar noch schwieriger - einfach aus dem Wasser zu steigen und die eigenen Beine, also die eigenen Wege zu benutzen.

    Was kann man tun?

    Man kann Vorbild sein, ohne sich über andere zu erheben, ohne ein “Bessermensch” zu sein.
    Man kann anderen Menschen zeigen, dass es durchaus möglich ist, ein erfülltes und glückliches Leben zu führen, auch wenn man z.B. kein TV guckt. Dass man auch mal etwas machen kann, weil man es gut findet oder einfach, weil man es möchte - und nicht, weil man glaubt, die “Gesellschaft” erwartet etwas.

    Wenn man das einmal begriffen hat, wird vieles leichter. Auch wenn man mal mit dem Strom schwimmt.

  11. Flusskiesel

    Nachtrag:
    Junge Leute machen sich auch Gedanken:
    http://www.wdr.de/themen/panorama/koeln_amok_schule/071120_a.jhtml

  12. ludger.otten

    Ich denke mal das das: “mit dem Strom schwimmen” eines der eigentlichen Probleme ist. Wir in Deutschland waren noch nie sehr gut darin einfach auch mal andere Wege zu gehen. Dazu sind wir häufig zu Starr und auch starrsinnig.

    Eigene Kretivität, eigene Gedanken und Ziele, mitmenschlichkeit und Empathie. Alles das sind dinge die wichtig sind. Vieles von dem wird weder gefördert noch gefordert.
    Wie sollen jugendliche auch wissen wohin sie wollen wenn sie nur Ellbogenmentalität und mitläufertum kennenlernen? Deshalb sind querdenker, Revoluzzer, schrulliges einfach nötig ebenso wie deren Akzeptanz.

  13. Flusskiesel

    Genau das meinte ich.

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